Naturgarten mit einheimischen Pflanzen in der Schweiz
Ratgeber

Naturgarten in der Schweiz: Vorteile, Kosten und Umsetzung

Weniger Arbeit, mehr Leben: Warum immer mehr Schweizer auf naturnahe Gärten setzen.

Die Schweiz erlebt einen Wandel in der Gartenkultur. Laut dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) sind naturnahe Grünflächen ein zentraler Baustein der Strategie Biodiversität Schweiz. Immer mehr Hauseigentümer setzen auf Naturgärten – weg vom englischen Rasen, hin zu lebendigen, artenreichen Gärten. Was steckt dahinter – und lohnt sich das für Sie?

Was ist ein Naturgarten?

Ein Naturgarten orientiert sich an natürlichen Lebensräumen. Er verwendet vorwiegend einheimische Pflanzen, verzichtet auf Pestizide und bietet Strukturen für Wildtiere. Das bedeutet nicht «wild wachsen lassen», sondern bewusst gestalten – mit der Natur, nicht gegen sie.

Typische Elemente:

  • Wildblumenwiese statt Rasen (oder als Teil davon)
  • Einheimische Sträucher und Stauden
  • Totholz, Steinhaufen, Sandflächen als Lebensräume
  • Wasserstelle (Teich, Vogeltränke)
  • Durchlässige Wege (Kies, Trittplatten)

Die Vorteile im Überblick

1. Weniger Pflegeaufwand

Eine Wildblumenwiese wird 2× pro Jahr gemäht (statt 20× beim Rasen). Einheimische Pflanzen sind an das lokale Klima angepasst und brauchen weniger Wasser, Dünger und Pflanzenschutz. Langfristig sparen Sie 50–70% der Pflegezeit.

2. Biodiversität fördern

Eine vielbeachtete Langzeitstudie aus Deutschland (Krefeld-Studie) zeigte einen Rückgang der Insektenbiomasse um 75 % innerhalb von 26 Jahren. Auch in der Schweiz ist die Lage ernst: Laut BAFU sind rund 60 % der bewerteten Insektenarten gefährdet oder potenziell gefährdet. Laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) machen Gärten und Siedlungsgrün rund 5 % der Landesfläche aus – ein riesiges Potential für den Artenschutz. Nach Erkenntnissen der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL kann ein einziger Naturgarten Hunderten von Tierarten Lebensraum bieten.

3. Klimaresilienz

Trockensommer wie 2022 und 2023 zeigen: Konventionelle Gärten kämpfen. Gemäss MeteoSchweiz gehörten die Sommer 2022 (zweitwärmster) und 2023 (drittwärmster) zu den wärmsten seit Messbeginn, mit Temperaturen rund 2 °C über dem langjährigen Mittel. Tiefwurzelnde einheimische Pflanzen überstehen Trockenheit besser. Weniger versiegelte Flächen speichern Regenwasser und kühlen die Umgebung – laut BAFU können unversiegelte Grünflächen in Städten die Temperatur im Vergleich zu bebauten Gebieten um mehrere Grad Celsius senken.

4. Fördergelder nutzen

Viele Zürcher Gemeinden fördern naturnahe Gartengestaltung. Das Förderprogramm «Mehr als Grün» der Stadt Zürich (Grün Stadt Zürich) unterstützt ökologische Aufwertungen mit bis zu CHF 20/m² für Bodenmassnahmen und bis zu CHF 50/m² für die Umwandlung von Kiesdächern zu Gründächern (maximal 30 % der Kosten, höchstens CHF 30'000). Auch das Bundesamt für Umwelt (BAFU) betont in seiner Strategie Biodiversität Schweiz die Bedeutung privater Gärten als Lebensräume. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Gemeinde nach lokalen Förderprogrammen.

5. Ästhetik und Erlebnis

Ein Naturgarten verändert sich mit den Jahreszeiten. Blühende Wiesen im Sommer, Samenstände im Winter, Schmetterlinge und Vögel das ganze Jahr. Für Kinder ist er ein Abenteuerspielplatz, für Erwachsene ein Ort der Ruhe.

Was kostet ein Naturgarten?

Überraschung: Nicht mehr als ein konventioneller Garten – oft sogar weniger.

Element CHF/m²
Wildblumenwiese (Ansaat)5–12
Zum Vergleich: Rollrasen25–40
Heimische Stauden40–80
Heimische Sträucher30–60/Stk.
Kiesweg (wasserdurchlässig)40–80
Naturteich (5–10 m²)3'000–8'000

Detaillierte Preise finden Sie auf unserer Kostenseite.

So legen Sie einen Naturgarten an

Schritt 1: Bestandsaufnahme

Was ist schon da? Alte Obstbäume, Mauern, Gehölze können oft bleiben. Welche Bereiche sind sonnig, welche schattig? Wie ist der Boden beschaffen?

Schritt 2: Zonierung

Auch ein Naturgarten hat Struktur: Sitzplatz (gepflegt), Übergangszone (locker), Naturzone (wild). Klare Grenzen – etwa ein gemähter Streifen um die Wildblumenwiese – zeigen, dass es Absicht ist.

Schritt 3: Strukturen schaffen

Totholzhaufen, Steinlinsen, Sandstellen – diese Elemente kosten wenig und bieten Lebensraum für Igel, Eidechsen, Wildbienen. Platzieren Sie sie in ruhigen Ecken.

Schritt 4: Richtig pflanzen

Einheimische Pflanzen kaufen Sie am besten in Wildstaudengärtnereien (z.B. Wildstaudengärtnerei Höfli ZH). Vorsicht bei «Wildblumenmischungen» aus dem Baumarkt – oft nicht regional angepasst.

Schritt 5: Geduld haben

Ein Naturgarten braucht 2–3 Jahre, um sich zu etablieren. Im ersten Jahr dominieren einjährige Kräuter, im zweiten kommen die Stauden, im dritten ist das System stabil. Nicht zu früh eingreifen!

Empfehlenswerte Pflanzen für Zürcher Naturgärten

Stauden (sonnig)

  • Wilde Malve
  • Natternkopf
  • Wiesen-Salbei
  • Kartäuser-Nelke
  • Gewöhnlicher Dost (Oregano)

Sträucher

  • Schwarzer Holunder
  • Kornelkirsche
  • Weissdorn
  • Wildrosen
  • Pfaffenhütchen

Kurzfazit

Ein Naturgarten ist keine Verzichtserklärung, sondern eine Bereicherung. Er kostet nicht mehr als ein konventioneller Garten, braucht langfristig weniger Pflege und bietet mehr Erlebnis. Nach Angaben des BAFU tragen naturnahe Privatgärten massgeblich zur Vernetzung von Lebensräumen in Siedlungsgebieten bei. Ob ganz oder teilweise – jeder Schritt Richtung Natur zählt.

Naturgarten planen lassen?

Wir beraten Sie zur naturnahen Gestaltung – von der Wildblumenwiese bis zum kompletten Naturgarten. Mit Erfahrung aus der Region Zürich.

Häufig gestellte Fragen

Ist ein Naturgarten wirklich pflegeleichter?
Ja, nach der Etablierungsphase (2–3 Jahre) deutlich. Es entfällt: wöchentliches Rasenmähen, Unkrautjäten, Giessen, Düngen. Dafür: 2× jährlich mähen, gelegentlich auslichten. Der Aufwand sinkt um 50–70%.
Sieht ein Naturgarten nicht ungepflegt aus?
Nur wenn er schlecht angelegt ist. Ein gut gestalteter Naturgarten hat klare Strukturen, gepflegte Übergänge und bewusst gesetzte Akzente. Er wirkt natürlich, nicht verwahrlost. Entscheidend ist die Planung.
Welche Tiere profitieren vom Naturgarten?
Wildbienen (über 600 Arten in der Schweiz), Schmetterlinge, Käfer, Vögel (Nisthilfen, Beeren), Igel, Eidechsen, Amphibien (bei Wasserstelle). Ein Naturgarten kann die Artenvielfalt um das 10-fache steigern.
Kann ich nur Teile meines Gartens naturnah gestalten?
Absolut. Eine Wildblumenwiese statt Rasen, ein Totholzhaufen in der Ecke, heimische Sträucher statt Thuja – auch kleine Massnahmen helfen. Naturgarten ist keine Alles-oder-nichts-Entscheidung.

Weiterführende Informationen

Quellen

  1. BirdLife Schweiz – Insektensterben – 75 % Rückgang der Insektenbiomasse (Krefeld-Studie, Deutschland); rund 60 % der Insektenarten in der Schweiz gefährdet
  2. MeteoSchweiz – Sommer 2023 – Ranking und Temperaturabweichung der Sommer 2022 und 2023
  3. powernewz / BAFU – Hitze in Städten – Temperaturunterschiede zwischen versiegelten und unversiegelten Flächen
  4. Stadt Zürich – Förderprogramm «Mehr als Grün» – CHF 20/m² Bodenmassnahmen, CHF 50/m² Kiesdach-Begrünung, max. CHF 30'000